Neue Wege zum Kunden

09.12.2011
MT 15, Business Think Tank, Ehrenberg - Elbigenalp
Neue Wege zum Kunden
Digitalisierung und Partizipation waren die Kernthemen bei den 15. kdg media talks im Tiroler Außerfern.

15. kdg media talks im altehrwürdigen Salzstadel

‚Unsere Branche ist in einem kontinuierlichen Wandel’, konstatierte Michael Hosp, Vorstand der kdg in seiner Begrüßungsansprache zu den 15. kdg media talks im altehrwürdigen Salzstadel der Burgenwelten Ehrenberg bei Reutte. ‚Das kann man allein schon an der Geschichte unserer media talks sehen’, so Hosp. Zur jubiläumsträchtigen 15. Auflage des Business Think Tank hatte das Veranstaltungsteam dieses Mal dem wie üblich kurzweiligen und launig formulierten Programmabriss nämlich auch noch einen stimmungsvoll bebilderten Rückblick angehängt. ‚Gerade die Themen zeigen ganz deutlich, was uns in den vergangenen Jahren bewegte und wie wir uns allesamt mit den Anforderungen der Zeit gewandelt haben.’ Der Einstieg in die DVD war gewissermaßen die Geburtsstunde der media talks. Ging es zunächst noch um das Potenzial des neuen Formates, beispielsweise auch für die Musikindustrie, zeigten sich schon bald die vermeintlichen Schattenseiten der fortschreitenden Digitalisierung. Und auch die Frage nach dem Nachfolgeformat und der bis zuletzt erbittert geführte Wettstreit zwischen den Modellen HD-DVD und Blu-ray beschäftigte die Branche über etliche Jahre.

Gehören schon lang zur media talks-Familie: Bodo und Gaby Schwartz

Wiedersehen mit Media Talkern der ersten Stunde

Die kdg media talks haben sich in diesen Jahren jedenfalls zu einem Forum entwickelt, das sich vor allem wegen seines ungezwungenen familiären Rahmens und der stets spannenden Gäste und Themen zu einem Fixpunkt und Highlight im Event-Terminkalender der Branche entwickelt hat. Bei den 15. media talks im Dezember gab es daher wenig verwunderlich auch ein Wiedersehen mit früheren Rednern, so etwa Martin Timmy Treu, mittlerweile nach Wien heimgekehrter Consultant und Immobilienmakler, doch vor einigen Jahren noch Chef von Warner Home Entertainment Italy. Treu war Key Note Speaker bei den ersten media talks 1999 auf Schloss Schenna und auch in den folgenden Jahren immer wieder gerne zu pointierten und branchenkritischen media talks-Statements bereit. Ebenso wie Bodo Schwartz, langjähriger Vorstandsvorsitzender von BVV und GVU und mittlerweile ein echtes Branchen-Urgestein.  

War vor sieben Jahren das erste Mal bei den media talks: Prof. Tim Renner.

Vom Global Leader of Tomorrow zum Professor Digital

Und auch der Hauptredner des diesjährigen Business Think Tanks war schon mal bei den media talks im Außerfern. Genau genommen vor sieben Jahren: Damals präsentierte er sein erstes Buch ‚Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm’, ein Schwanengesang auf das nahende Ende der alten Musikindustrie, der er bis dahin selber angehört hatte. Damals hatte der nunmehrige Entrepreneur und Pop-Professor, der ein Jahr zuvor vom World Economic Forum (Davos/Genf) sogar zum Global Leader of Tomorrow ernannt worden war, eine der vermeintlich ‚machtvollsten‘ und ‚einflussreichsten‘ Positionen nach nur drei Jahren von sich aus zurückgelegt, weil er den eskapistischen Kurs, den die Major Labels der Musikbranche damals am ersten Höhepunkt ihrer Krise einschlugen, nicht mehr mitgehen wollte. ‚Die Großen der Branche agierten damals ähnlich, wie wir dies derzeit tagtäglich an Merkozy und Co beobachten können. Wenig inspiriert und ohne den tatsächlichen Ursachen der Krise auf den Grund zu gehen,’ erzählt Christine Frei, die bereits seit der Geburtsstunde der media talks dem Organisationsteam vorsteht. ‚Ich erinnere mich gut, wie uns Tim Renner damals vor seinem Vortrag zuzwinkerte und meinte. ‚Sie müssen sich nicht fürchten, ich werde sicher nicht sagen, dass es morgen keine CDs und DVDs mehr brauchen wird.‘ ‚Wissen Sie, Herr Renner,‘ so damals unsere knappe Lechtler Antwort, ‚ wir pflegen hier zu sagen: Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben. Wir fürchten uns nicht. Sonst hätten wir Sie nicht eingeladen.‘  

Hielt eine fesselnde Rede über die Digitalisierung - und das unplugged und ganz analog.

Renner: ‚Wo sind denn die legalen Angebote?’

In der Zwischenzeit ist naturgemäß viel Wasser den Lech hinuntergeflossen, und vieles von dem, was Renner damals schon skizzierte, ist heute längst Konsumentenrealität. Die einstigen Big Five der Musikbranche sind zu einer unheiligen Dreifaltigkeit geschrumpft. Tim Renner ist mittlerweile Pop-Professor, aber immer noch ein Querdenker. Und er hat erneut ein Buch geschrieben, dieses Mal gemeinsam mit seinem Bruder, dem Journalisten Kai-Hinrich Renner. ‚Digital‘, so das titelgebende Resümee der beiden, ‚ist besser.‘ Denn die Digitalisierung sei nur eine Fortsetzung der Popkultur, freilich mit ein wenig anderen Mitteln. In seiner media talks-Rede, die er mit sehr vielen überaus sympathischen persönlichen Geschichten anreicherte, brach Renner erneut eine Lanze für die mit der Digitalisierung einhergehende Individualisierung und Demokratisierung des Marktes. Wenig Verständnis zeigte er für die Kriminalisierung des Konsumenten. ‚Wo sind denn die legalen Angebote?’ Die klassischen Auswertungsstufen, so Renner, ignorierten den Wunsch des Konsumenten nach unmittelbarer Verfügbarkeit. Sie dienten nur dazu, das alte vor-digitale Geschäftsmodell abzusichern und zu kontrollieren. Den Content-Inhabern und Verwertern empfahl er daher, Inhalte sowohl digital wie eben auch als physisches Produkt mit toller Ausstattung anzubieten.  

Medienexperten unter sich: Helmut van Rinsum, Hannes Treichl, Tino Kreßner.

Social Media zwischen Crowdfunding und Shitstorms

Mit Tino Kreßner von der Crowdfunding-Plattform Startnext war anschließend ein so genannter echter ‚Digital Native’ am Wort. Der Medientechnik-Absolvent der Hochschule Mittweida hatte sich schon während seines Studiums eingehend mit partizipativen Web 2.0-Tools beschäftigt, über die sich Zielgruppen in Marketingprozesse einbinden lassen. Mit dem Film 2.0-Projekt ‚filmtrip.de’ hatte er zudem die erste interaktive Live-Spielfilmproduktion umgesetzt. In seinem Vortrag erläuterte er nun an vielen praktischen Beispielen, was es mit Crowdfunding auf sich hat und mit welchen Mitteln und sogenannten Beteiligungs-Tools sich Künstler, Musiker, Filmemacher ihre Projekte finanzieren lassen können. Über die zuweilen schwindelnden Kommunikations-Abgründe, die sich für Unternehmen auf Social Media Plattformen überfallsartig quasi über Nacht auftun können, referierte im Anschluss Helmut van Rinsum, stellvertretendem Chefredakteur des Fachmagazins Werben & Verkaufen. Kaum ein Unternehmen, so sein Resümee, sei auf die sogenannten Shitstorms, auch nur in Ansätzen vorbereitet gewesen. Kaum ein Unternehmen habe adäquat reagiert. Wer in Social Media mitmischen wolle, müsse sich daher der Möglichkeiten wie auch der Konsequenzen, die ein unmittelbarer Dialog in sich berge, bewusst sein.  

In Rick´s Cafe diskutierten die media talker über Internetplattformen.

Salzfässer als Treffpunkte für das Business Think Tank World Cafe

Mit einer bilderreichen Expertise über ‚Spuren statt Staub’ schloss Innovations-Coach Hannes Treichl schließlich den ersten Teil des Business Think Tank ab. ‚Hand aufs Herz’, rief Treichl seinem Publikum zu, ‚möchten Sie wirklich so wie alle anderen diese abgefahrene Piste runterfahren. Ist es nicht reizvoller, auf einem schönen Tiefschneehang eine eigene Spur zu ziehen?’ Und noch etwas gab er den Media Talkern mit auf den Weg. ‚Streichen Sie das Wort Zukunft aus ihrem Wortschatz, sagen Sie lieber morgen. Und begnügen Sie sich nicht immer mit der erstbesten Lösung. Wer sagt Ihnen, dass es nicht noch andere, viel bessere Lösungen gibt?’ Damit läutete er auch gleich die von ihm angeleiteten Crowdsourcing-Sessions rund um die übergroßen Salzfässer ein, die noch an die frühere Funktion des Veranstaltungsraums in der Reuttener Klause erinnerte. Der Salzstadel war nämlich vor über dreihundert Jahren als Salzlager erbaut worden und stand damals direkt an der Salzstraße von Hall nach Lindau. kdg und Treichl nutzten dabei die Methode des World Cafe und luden ihre Teilnehmer und Gäste in der Folge auf eine ‚fiktive’ Brainstorming-Reise in fünf berühmte Kaffeehäuser ein. So traf man sich in wechselnder Zusammensetzung unter anderem im legendären Wiener Hawelka, im Berliner Einstein und sogar in Rick´s Cafe und tauschte sich dort jeweils über Themen wie Vertriebskanäle, Internet-Vertriebsplattformen, Adress-Management und Kundenservice aus. Damit kam ordentlich Bewegung in den Salzstadel, und so wie in Kaffeehäusern üblich, wurde auch ausgesprochen angeregt debattiert. 

Vor dem media talks-Dinner ging es mit Fackeln zur Burgruine Ehrenberg.

Fackeln, Ritter und Tim Renner als Aushilfspercussionist

Nachdem sich alle gut warm geredet hatten, bot kdg seinen Gästen vor dem Abendessen noch eine aktive ‚Durchlüftungspause’: mit einem romantischen Fackelspaziergang auf die Burgruine von Ehrenberg und alternativ einem überaus informativen Rundgang durch das nebenstehende Burgenmuseum. ‚Ein Schnapserl’, so Moderatorin Christine Frei, ‚kriegen Sie da wie dort’. Das anschließende media talks-Dinner wurde wie immer durch musikalische Klänge verfeinert, dieses Mal durch den Alphorn-Virtuosen und die.hammerling-Mitbegründer Fritz Moßhammer und den jungen Songwriter Sebastian von ‚the roofclub’, der es schließlich sogar schaffte, Tim Renner als Percussionisten für seinen Weihnachtssong auf die Bühne zu holen.  

Gruppenbild mit Zipflbob: Heiko Meyer, Sabine Wolf, Oliver Kühn, Frank Menzel

The Ultimate Zipflbob Fun Race

Am nächsten Tag wurden die media talks dann traditionell ‚open air’ und ‚in action’ fortgesetzt. Um auch die Nicht-Schifahrer auf die Piste zu locken, rief kdg mit bewährter Unterstützung der ‚Teamgeister’ rund um Bernd Fankhauser seine Teilnehmer zu einer Zipflbob Fun Race, bei der sie zuvor auch noch ihre Schnelligkeit und Treffsicherheit beim Einschlagen von Nägeln auf einem Holzpflock unter Beweis stellen durften. Die Alpha-Racer der verschiedenen Teams waren durch das K.O.-System zwar relativ schnell ausgemacht, aber für den Kampf um Platz eins mussten sie Dank Lucky-Loser-Regelung doch noch etliche Male den Hügel hinaufstapfen. Schließlich siegte mediafactory-Division Manager Alex Wörle, der sich zuvor gegen die schnellsten kdg-Kollegen souverän durchgesetzt hatte, vor Jürgen Kirch von More Entertainment und Manuel Amian von Cargo Records. Mit einem zünftigen Lechtler-Abschiedsessen bei Guido, einem der coolsten Wirte des Außerfern, sagten Michael Hosp und sein Team ihren Teilnehmern schließlich standesgemäß ‚Servus, bis zum nächsten Mal’. Und die Gäste hielten es einmal mehr mit dem famosen Pink Panther: Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage.

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The ultimate Zipflbob Fun Race Movie

Boris Predic, Matthew Prokop, by courtesy of CSM Production, Vienna
Fotos: 
Günter Kresser, Sebastian Holzknecht

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media talks review

MT 14, Rückenwind und Gipfelsturm, Zugspitze - Lechtal
Die 14. kdg media talks standen dieses Mal ganz im Zeichen der neuen Kommunikationsnetzwerke und Vertriebskanäle.