Gipfelgespräche über die neuen digitalen Herausforderungen

02.10.2009
MT 14, Rückenwind und Gipfelsturm, Zugspitze - Lechtal
Gipfelgespräche über die neuen digitalen Herausforderungen
Die 14. kdg media talks standen dieses Mal ganz im Zeichen der neuen Kommunikationsnetzwerke und Vertriebskanäle.

Elevator Pitch-Training in der Gondel

Anders als in den vergangenen Jahren bestellte kdg seine Teilnehmer und Gäste schon zeitig am Morgen des ersten media talks-Tages zur Talstation der spektakulären Tiroler Zugspitzbahn in Ehrwald. Denn zum zehnjährigen Jubiläum des überaus beliebten Branchen- und Networkforums hatte der im Tiroler Außerfern ansässige Universaldienstleister für hochwertige Medienprodukte tatsächlich den höchsten Berg Deutschlands ins Visier genommen. Nachdem Gondelfahrten nun wirklich nichts jedermanns Sache sind, tat freilich ein wenig Ablenkung not. Also holte sich media talks-Organisatorin Christine Frei mit Joachim Skambraks einen Eröffnungsreferenten, der sich als Autor und Trainer ganz der Meisterschaft der erfolgreichen Kurz- respektive Aufzugspräsentation - im Vertriebsfachjargon auch Elevator Pitch genannt - verschrieben hat. Und so gab Mr. Elevator Pitch Joachim Skambraks den Media Talkern bereits bei der Abfahrt einen klar umrissenen Networking-Auftrag, der von den gondelfahrenden Gipfelstürmern denn auch umgehend mit spürbarer Erleichterung aufgenommen und media-talkend umgesetzt wurde. Nach diesem ersten Elevator-Pitch-Training in schwindelerregenden Höhen erläuterte Skambraks dann im Panoramarestaurant auf dem Plateau der Zugspitze, die sich an diesem Tag bereits mit erstem Herbstschnee bezuckert und in dichte Nebelschwaden gehüllt präsentierte, die wichtigsten Features für einen erfolgreichen Elevator Pitch und ermunterte die Media Talker sogleich zu regelmäßigem Training. “Übung macht den Meister. Also nutzen Sie jede nur erdenkliche Möglichkeit, um Ihren Elevator Pitch zu perfektionieren.“

Josef Ecker machte seinem Ruf als mitreißender Jodellehrer alle Ehre.

Jodelseminar auf der Zugspitze

Mit Üben ging´s auch munter weiter: denn wer sich aufmacht, neue Gipfel zu stürmen, sollte seiner überbordenden Freude über die mal kleineren, mal größeren Gipfelsiege auch gebührend Ausdruck verleihen können. Also verordnete kdg seinen Media Talkern eine Jodel-Lehreinheit mit Jodelpapst Josef Ecker. Der machte seinem Ruf alle Ehre: denn er entlockte den TeilnehmerInnen binnen einer Stunde nicht nur ein ganzes Repertoire an überaus wohlklingenden Jodeltönen, sondern motivierte sie auch noch zum dazu passenden rhythmischen Löffelklappern und erarbeitete mit einzelnen besonders Mutigen sogar eine durchchoreographierte Kuhschellen-Einlage. Hinterher überreichte der mitreißende Pädagoge den nun vollständig gipfel-akklimatisierten und geradezu überschwänglich begeisterten TeilnehmerInnen noch ein Jodeldiplom, welches Bodo Schwartz, der bei den kdg media talks nun schon seit Jahren sein bekannt launiges ‚Letztes Wort’ zum Besten gibt, in seinem Xing-Profil mittlerweile augenzwinkernd als besondere Qualifikation anführt.

Xing-Ambassador Joachim Rumohr zeigte den Media Talkern am Beispiel seines eigenen Profils, was das Schweizer Messer Xing an Networking-Funktionen zu bieten hat

Erfolgreiches Netzwerken mit Xing

Der media talks-Nachmittag auf der Zugspitze stand dann ganz im Zeichen von Business und Social Networks. Xing-Experte Joachim Rumohr verglich in seinem temperamentvollen Vortrag die vormals als Open BC gelaunchte Kommunikations-plattform Xing mit einem Schweizer Messer. „Bei vielen liegt es in der Schublade, aber kaum einer kennt all seine Funktionen.“ Seinen kursorischen Streifzug durch das innere und äußere Schaufenster der eigenen Startseite versah Rumohr mit vielen wertvollen Tipps zur Gestaltung des eigenen Profils wie auch zur sinnvollen Nutzung dieses vor allem im deutschen Sprachraum überaus populären web-basierten Business- und Social Networks. Gleichzeitig warnte er davor, Xing vorschnell und unreflektiert als Akquisetool einzusetzen. „Vergessen Sie diese ganzen Akquisegeschichten. Auf Xing geht es darum, Verbindungen herzustellen und Verbindungen zu ermöglichen. Wer auf und mit Xing erfolgreich sein will, muss eine ganz spezielle Haltung an den Tag legen. Er muss großzügig und authentisch sein. Es geht hier nicht um Geben und Nehmen, sondern um Geben und Bekommen.“

New-Media Expertin Dr. Karoline Simonitsch fasste kurz und pointiert zusammen, was Unternehmen bei Social-Media Projekten beachten sollten.

Social Media als Herausforderung für die Markenkommunikation

New-Media Expertin Karoline Simonitsch warnte in ihrem Vortrag davor, Social Media nach den immer noch sehr hierarchisch geprägten Spiel- und Kommunikationsregeln der Old Economy für die Vermarktung neuer Produkte wie auch für die eigene Unternehmens- und Markenkommunikation einzusetzen. Mit den Digital Natives wachse eine neue Generation von Mitarbeitern und Kunden heran. Diese Ureinwohner des Netzes gelte es ernst zu nehmen. Denn sie können und werden - so Simonitsch - unsere Gesellschaft und Geschäftsmodelle verändern. Wer heute als Unternehmen eine Social Media Brand entwickeln und leben wolle, müsse seine Organisation in der Regel erst entsprechend darauf einrichten und vorbereiten. Denn für die Kommunikation und Interaktion in und mit Social Media seien Authentizität, Ehrlichkeit, Transparenz unabdingbare Voraussetzungen, ebenso wie Kritikfähigkeit. Dazu Simonitsch: „Das Internet ist offen und laut, sehr, sehr viele machen mit. Und ganz wichtig: es vergisst nicht. Das stellt die Unternehmenskommunikation schon vor einigermaßen große Herausforderungen.“

Erläuterte Wege und Wirkungen digitaler Musikdistribution: Dr. Michael Huber vom Institut für Musiksoziologie der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Good News: Digitaler Albenverkauf legt zu

Mit der fortschreitenden Digitalisierung im und übers Netz, dem die Kreativwirtschaft wie kaum eine andere Branche unterworfen ist, da sie deren traditionelle Wertschöpfungsnetzwerke nicht nur schon längst aus ihren Festen gerissen, sondern sie regelrecht auf den Kopf gestellt hat, beschäftigte sich denn auch das media talks-Panel 'Alles eine Frage des Vertriebs'. Michael Huber vom Institut für Musiksoziologie der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien analysierte zunächst die Wege und Wirkungen digitaler Musikdistribution, um ebenso wie Hannes Kreuzer, der danach über die digitale Filmdistribution referierte, zum Schluss zu kommen, dass die digitale Distribution wie auch die Vermarktung über Social Networks vor allem jenen diene, die bereits bekannt sind. Entgegen den ursprünglichen Annahmen hätten aber jüngste Erhebungen seines Institutes ergeben, dass die Album-Verkäufe über Internet-Handelsplattformen mittlerweile markant zulegen.

Der junge Filmproduzent und Absolvent der Wiener Filmakademie Hannes Kreuzer präsentierte die wichtigsten Erkenntnisse aus seiner Studie über digitale Filmdistribution.

Große profitieren auch bei digitaler Filmdistribution

Der junge Filmproduzent Hannes Kreuzer, der anschließend die wichtigsten Erkenntnisse seiner Studie über digitale Filmdistribution präsentierte, erteilte sowohl der Long-Tail-Theorie wie auch der ursprünglich erhofften Monetarisierung von Independent-Filmen über digitale Filmdistribution eine klare Absage. Nischenprodukte würden auch in den Social Networks generell schlechter beurteilt als Blockbuster. Zudem sei die Monetarisierung von Inhalten angesichts einer 'Alles-gratis-Philosophie' im Internet überaus schwierig. Letztlich, so sein ernüchterndes Resümee, profitierten von der digitalen Filmdistribution nur die großen Aggregatoren, die Rechteinhaber großer Kataloge und natürlich die Konsumenten.

Vermittelten einen spannenden Eindruck von der Komplexität von e-commerce-Geschäftsmodellen im Social Web: die Netz-Nerds Mathias Brandt und Thomas Frena.

Auch im E-Commerce gilt: Lerne deine Kunden kennen

Das sahen die beiden e-commerce-Spezialisten Thomas Frena und Mathias Brandt naturgemäß ein wenig anders: sie schlugen in ihrem Impulsreferat wieder eine Brücke zu den Social Media und ihren Usern. Jeder User, so ihre durch langjährige Vertriebserfahrung im Netz bestätigte Erkenntnis, sei letztlich auch als 'Vertriebskanal' zu sehen. Wer heute im Web mit seinen Inhalten und Produkten reüssieren, wer sich als Künstler umfassend und erfolgreich vermarkten wolle, der müsse zu allererst seine Kunden kennen lernen. Nur wer das Mediennutzungs- und Konsumverhalten sowie die Präferenzen seiner Zielgruppe kenne, könne auch die entsprechenden Informations- und Produktpackages für sie schnüren und diese ganz konkret anbieten. Es gehe also darum, das, was für jeden erfolgreichen Verkäufer eine Selbstverständlichkeit ist, nämlich seinem Kunden genau das anzubieten, was ihn rundum begeistert, auch für Geschäfte im und übers Netz umzusetzen.

Verteilungsgerechtigkeit und bürokratischer Aufwand sprechen für netzwertig-Redakteur Marcel Weiß klar gegen eine Kulturflatrate.

Vor- und Nachteile einer Kulturflatrate

Nachdem viele Social Media Plattformen Freemium bereits als Geschäftsmodell nutzen, gab Marcel Weiß, der sich als leitender Redakteur von netzwertig, einem Blog der Blogwerk AG gewissermaßen hauptberuflich mit der Internetwirtschaft beschäftigt, zum Abschluss des Panels noch einen Überblick über die gängigen Argumentationslinien von Befürwortern und Gegnern der Kulturflatrate. Denn gerade diese Debatte wie auch der Kampf um die Wahrung der Urheberrechte im Internet hat durch die Google-Attacke auf das gedruckte Wort - über zehn Millionen Bücher soll der Internetgigant bereits eingescant und im Netz veröffentlich haben - neuen brisanten Zündstoff erhalten. Auch wenn Weiß einräumte, dass Kulturschaffende langfristig betrachtet möglicherweise doch nur über Kulturflatrate-Modelle für die digitale Verteilung ihrer Güter entlohnt werden können, führt sich der Ansatz einer faktischen Legalisierung von privatem Filesharing gerade in Bezug auf seine faktische Umsetzbarkeit und dem damit verbundenen bürokratischen Aufwand, wie auch in der Frage der Verteilungsgerechtigkeit letztlich selbst ad absurdum. „Eine Kulturflatrate ist in letzter Instanz eine Umverteilung der Ausgaben von Konsumenten von Kultur verschiedenster Art hin zu einem gigantischen Bürokratieapparat und den Herstellern von großen bis mittleren Hits.“ so Marcel Weiß.

Günther Wildner, Geschäftsführer des Österreichischen Musikrates diskutierte mit seinen Panel-Gesprächpartnern (v.l.n.r.) Martin Irnich, FilmConfect, Dominik Friedle, MEDIALOG GmbH, Marlon Prantl, Musiker, Peter Pannewick, m(puls intainment über Best-Practice-Modelle für einen zeitgemäßen Vertrieb von Musik und Film.

Selbstvermarktung als Multichannel-Aufgabe

Im Panel-Gespräch, welches von Günther Wildner, Geschäftsführer des Österreichischen Musikrates überaus kreativ moderiert wurde, ließ er die Impulsreferenten wie auch die neu dazu gebetenen Gesprächspartner - angefangen von MEDIALOG-Geschäftsführer Dominik Friedle über die beiden Vertriebsprofis Peter Pannewick von m(puls intainment und Martin Irnich von FilmConfect beispielsweise ganz konkret darüber nachdenken, wie sich der ebenfalls als Panel-Teilnehmer geladene junge Tiroler Musiker Marlon Prantl, der sich zuvor mit seiner neuen Single und einem Videoclip präsentiert hatte, am besten vermarkten, welche Vertriebskanäle und Vermarktungsschienen er nutzen sollte. Letztlich, darin waren sich die Media Talker einig, sei für eine erfolgreiche Vermarktung gerade angesichts der vielfältigen Möglichkeiten, die sich einem Künstler heute on- wie offline biete, sogar mehr denn je absolute Professionalität auf allen Terrains erforderlich.

Einer muss nun mal das letzte Wort haben: Branchen-Urgestein Bodo Schwartz outete sich in seinem traditionellen media talks Epilog gleichfalls als User und Kenner von Facebook und Co.

Bodos Schlusswort: ein Plädoyer für Facebook und Co

Die Talks waren gerade – auch das hat schon eine gewisse Tradition - an ihrem Zenit angelangt, da wartete bereits die Gondel für die abendliche Sonderfahrt hinunter ins Tal. Und Bodo Schwartz, dem wie alle Jahre das traditionelle letzte Wort erteilt wurde, lästerte zwar anfangs noch in seinen wie üblich leicht süffisanten Betrachtungen über die spastischen Verrenkungen von Branchenkollegen, wenn diese mehr oder minder verstohlen gewissermaßen rund um die Uhr auf ihre iPhones oder Blackberries schielen, damit ihnen nur ja nichts entgehe, was ihnen die Welt oder wer auch immer gerade mitzuteilen hat, um dann freilich doch noch eine Lanze für Facebook und Co zu brechen. Immerhin habe er über diese Social Media längst aus den Augen verlorene alte Freunde wieder gefunden. Und so outete sich der gewitzte Senior President der kdg media talks family, dass er sich als klassischer Early Adopter nun auch für Social Media zu begeistern beginne.

Michael Hosp, Vorstand der kdg, eröffnete im Panoramarestaurant auf der Zugspitze die mittlerweile 14. kdg media talks.

Rückblick auf 10 Jahre media talks

Gastgeber und kdg-Vorstand Michael Hosp nutzte dann noch die Talfahrt für einen kurzen media talks-Rückblick: denn die ersten media talks - die damals noch als 1. DVD-Kick-off in Schenna bei Meran aus der Taufe gehoben wurden - liegen immerhin zehn Jahre zurück. Damals ging es dem Titel gemäß noch um den internationalen Launch der DVD, die Ablöse der Videokassette durch ein digitales Speichermedium. „In den folgenden Jahren erlebten wir allein in unserer Branche zahlreiche Aufstiege und Niedergänge, platzten erst die New-Economy-, und im vergangenen Jahr noch einige andere fatale Blasen, an deren Wunden die Weltwirtschaft nach wie vor laboriert.“ so Hosp. Ausgelöst durch die fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung wie auch durch die globale Wirtschaftssituation erlebe die Branche einen noch nie dagewesenen Wandel. „Daher haben wir nicht von ungefähr diese mittlerweile 14. media talks unter das Motto 'Rückenwind und Gipfelsturm' gestellt.“ Denn gerade jetzt gehe es darum, sich auf den Weg zu machen, sich den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen, neue Gipfel und Ziele anzuvisieren. „Und Gespräche und Begegnungen mit Gleichgesinnten – mit einem Wort media talks – geben uns hierfür den nötigen Rückenwind.“ schloss Hosp sein Resümee des ersten Tages.

Und wie schallt es von der Höh? Nach der Jodelstunde vom Vortag ließ die Antwort der media talks Gipfelstürmer naturgemäß nicht lange auf sich warten.

Fröhliches Outdoor-Netzwerken auf der Jöchelspitze

Wie begeisternd so ein Gipfelsturm mit Rückenwind an einem sonnenklaren Herbsttag in den Bergen sein kann, davon konnten sich die Media Talker dann anderntags leibhaftig überzeugen. Wie schon in den Jahren zuvor bauten die Teamgeister von Bernd Fankhauser das Veranstaltungsmotto wie auch die Kernaussagen des am Vortag Gelernten und Besprochenen mit viel Humor und unorthodoxen Net- und Teamworkaufgaben in ihr Activity-Programm ein. Die Jöchelspitzenstürmer überbrachten die Nachricht von ihrem Gipfelsieg naturgemäß mit einem lautstarken weithin hörbaren Gemeinschaftsjodler, während die Networker drunten am Lachenkopf gemeinsam ein kunstvolles Netz knüpften. Vor der verdienten Jause im Berggasthof überraschte kdg seine Media Talker am Lachenkopf dann noch mit feinsäuberlich aufgebreiteten Drachenpaketen mitten auf der Almwiese. Der Aufwind kam wie bestellt: wenige Minuten später sah man die bunten Drachen unter lauten Ahs und Ohs bereits im wolkenlosen Himmel tänzeln. Mit einem Vollmondspaziergang zur Giebler Alm und einem Abendessen garniert mit bittersüßen Harvest Moon-Klängen bescherte kdg seinen Gästen dann noch einen wildromantischen Abschiedsabend, ehe die media zalker Sonntag früh erneut bei Kaiserwetter die Rückreise nach Hause antraten. „Mit viel Rückenwind und best Vibrations“, wie Media Talks-Special Guest und Unikum Frizzey Greif den Gastgebern auch im Namen der anderen Gäste dankend zurief.

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Das Jodeldiplom

Kamera: Arno Weger, Schnitt: Patrick Obergschwandtner, MEDIASCOPE

Fotos: 
Irene Ascher, Heiko Meyer, Kai Döhring, Christine Jarosch

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media talks review

MT 15, Business Think Tank, Ehrenberg - Elbigenalp
Digitalisierung und Partizipation waren die Kernthemen bei den 15. kdg media talks im Tiroler Außerfern.