Freiform ist der bestimmende Trend

12.12.2015
Freiform ist der bestimmende Trend
Interview mit Dr. Angelika Hofmann, der leitenden Optikdesignerin bei kdg OPTICOMP.
Dr. Angelika Hofmann, hier im Bild mit kdg Opticomp Qualitätsmanager Mathias Kirschner, ist nun seit einem Jahr leitende Optikdesignerin bei kdg Opticomp. Sie trommelt nicht nur leidenschaftlich gerne für fertigungsgerechtes Optikdesign, sie will nichts weniger als eine ganze Branche von und für Freiformoptik begeistern.

Sie ist Optikentwicklerin aus Passion und vor allen Dingen eine der ganz wenigen Freiformexpertinnen. kdg OC-Kommunikationsfrau Christine Frei hat mit Dr. Angelika Hofmann, der leitenden Optikdesignerin bei kdg Opticomp über ihr erklärtes Lieblingsthema fertigungsgerechtes Optikdesign gesprochen.

Angelika, Du hast auf der LpS einen viel beachteten Vortrag über fertigungsgerechtes Optikdesign gehalten. Aber erlaub die naive Frage: Sollte das nicht eine Selbstverständlichkeit sein?

A.H. Du hast Recht, sollte es, ist es aber beileibe noch nicht. Das liegt vor allem daran, dass der Aspekt fertigungsgerecht gerade bei Freiformoptiken besondere Aufmerksamkeit erfordert. Zudem verlaufen Entwicklung und Fertigung meist sequenziell, sprich in getrennten Welten. Da ist die Versuchung naturgemäß groß, dass die Entwickler/innen sich auf ihren Bereich konzentrieren, sprich dort optimieren, die Hersteller vor allem auf Fertigungsaspekte achten und niemand mehr den gesamten Prozess im Blick hat.

Aber woran kann denn ein Kunde erkennen, dass das von ihm beauftragte Optikdesign wirklich fertigungsgerecht ist? Die wenigsten Auftraggeber werden Physiker, Lichttechniker, Konstrukteure und Spritzgussexperten in Personalunion sein.

A.H. Er wird es vor allem daran erkennen, dass seine Entwickler/innen schon ganz früh über die Fertigungstechnologie und über den Fertigungs- und Montageaufwand sprechen wollen. Wer fertigungsgerecht entwickelt, wird bei seiner Konzeptpräsentation zudem immer den damit verbundenen Aufwand thematisieren. Am Optikdesign selbst (sprich an den entwickelten Optiken) wird es ein Auftraggeber in den meisten Fällen eher nicht erkennen können. Dafür ist die Materie - gerade auch im Hinblick auf die Toleranzen - viel zu komplex. Will er auch hier auf Nummer sicher gehen, tut er sicher gut daran, sich an Experten mit entsprechender Erfahrung zu wenden.

Du unterscheidest bei einer Optikentwicklung stets zwischen Konzept- und Designphase. Warum empfiehlst Du diese Differenzierung? Hält dieses Prozedere nicht viele Kunden von einer eigenen Optikentwicklung ab?

A.H. Lass es mich mal salopp so erklären: Es gibt fast immer mehr als einen Weg nach Rom. Den für den Kunden und seine jeweiligen Anforderungen besten Weg (und eben nicht den erstbesten) wird man allerdings nur finden, wenn man sich zuvor mehrere Wege sorgfältig angesehen und deren Vor- und Nachteile erhoben hat. Zwar mag die strikte Unterteilung in Konzept- und Designphase auf den ersten Blick wie ein Mehraufwand erscheinen, tatsächlich wird der Entwicklungsprozess dadurch wesentlich überschaubarer, transparenter und in weiterer Folge auch effizienter und günstiger. Denn sollte die Konzeptphase ergeben, dass sich ein Projekt unter den angegebenen Rahmenbedingungen nicht realisieren lässt oder zu teuer wird, kann der Prozess umgehend gestoppt oder eben neu aufgesetzt werden. Insofern ist diese Vorgehensweise ‚best service‘ am Kunden: Denn damit erhält er nicht nur eine fundierte Entscheidungsgrundlage, sondern man kann auch sein Entwicklungsrisiko minimieren. Oder um es mal ironisch auszudrücken: Man hat ja angeblich nie Zeit, die Dinge richtig zu machen, aber immer genügend Zeit, sie zwei Mal zu machen.

Andersrum gefragt: Warum sollten Kunden in eigene Optiken investieren, gerade angesichts der rasanten Entwicklungen am LED-Sektor? Sind kundenspezifische Optiken da nicht schnell wieder Schnee von gestern?

A.H. Das hat einen ganz einfachen physikalischen Grund: Das volle Potenzial einer LED lässt sich nur in Kombination mit einer sehr guten Optik ausschöpfen. Allein deshalb sind ‚Customized Optics‘ schon eine sinnvolle Investition. Denn LED und Freiformoptik sind nun mal das ultimative Dream-Team. Und das Entwicklungsinvest lässt sich teilweise auch absichern, indem man beispielsweise LED-Typen wählt, die frisch am Markt und nicht allzu exotisch sind.

In welche Richtung wird sich Optikdesign Deiner Meinung nach in den nächsten Jahren entwickeln? Welche großen Trends siehst Du da?

A.H. Der wichtigste Trend ist und bleibt die Freiformoptik. Bis vor wenigen Jahren war Freiformoptik eine Technologie, die nur sehr sehr wenige Spezialisten anbieten und umsetzen konnten, mittlerweile sind es zwar einige mehr, aber in Relation doch immer noch wenige. Zudem hat sich die Freiformoptik noch längst nicht überall etabliert. Dabei bietet sie gerade in der klassischen Beleuchtungsoptik so viel an Mehrwert, angefangen von nachweislich besserem Licht und besseren technischen Lösungen bis hin zu überaus attraktiven Kostenvorteilen. Selbst für die abbildende Optik wird Freiformoptik zunehmend interessanter, was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass sich die Fertigungstechnologie bei Polymeroptiken ebenfalls rasant weiterentwickelt. Zudem sehe ich die strikten Grenzen zwischen abbildender und nicht-abbildender Optik mehr und mehr schwinden, weil es gerade bei technischen Applikationen immer häufiger Anforderungen gibt, wo beides benötigt wird und es darum einfach Sinn macht, beides zu kombinieren.

Welches Themengebiet reizt Dich als Physikerin und Entwicklerin eigentlich am meisten?

A.H. Was mich am meisten reizt: bei Innovationen oder Trends vorne mit dabei zu sein, um ein Stück weit also auch Markt- und Industrieentwicklung aktiv mitzugestalten. Und dass wir unsere Kunden immer wieder durch neue innovative Lösungen begeistern können.

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